Biologisch oder nicht biologisch – das ist eine wichtige Frage

Den oder den anderen Apfel? Klingt nicht nach einer schweren Entscheidung, ist es aber. Und dennoch müssen wir sie täglich treffen. Kaufen wir einen kommerziellen Apfel, obwohl er wahrscheinlich mit Pestiziden belastet ist? Oder kaufen wir einen Apfel aus biologischer Landwirtschaft, der aber dreimal so teuer ist? „Ach, die Pestizide sind doch schon längst abgewaschen worden, die sind sicher nicht so schlimm“, denken wir und greifen zu den günstigen, herkömmlichen Äpfeln. Doch nur vier von 16 konventionellen Obst- und sechs von 16 Gemüseproben aus Supermärkten sind frei von Pestiziden, laut einer neuen Studie des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Unterm Strich entsprachen jedoch alle Produkte den gesetzlichen Vorgaben, da sollten wir uns doch eigentlich sicher fühlen können, oder?

Gift, Gift, Gift – überall Gift

Giftige Pflanzenschutzmittel, wie Glyphosat, Insektizide oder Pestizide, kommen nicht nur in unserem heimischen Garten zum Einsatz, sondern natürlich auch in der Landwirtschaft. Und dabei scheint es den Großkonzernen egal zu sein, dass diese zu den sogenannten „Zivilisationsgefahren“ gehören. Einige Präparate sind nicht für die Natur und das Ökosystem schädlich, es kann auch für uns Menschen giftig werden. Doch wenn man die Hersteller damit konfrontiert, winken diese nur ab und berufen sich darauf, dass alles durch Gesetze und Bestimmungen geregelt ist. Stimmt zwar auch, aber seien wir mal ehrlich, wann war das letzte Mal, dass die Politik mit der Zeit geht und wirklich aktuelle Gesetze verabschiedet hat? Die sind halt nicht die Schnellsten und doch sind solche Pflanzenschutzmittel schon heute für uns giftig und nicht erst morgen. Doch wenn die Politik nichts tut, wer dann? Zum einen natürlich wir selbst. Jeder Mensch bewirkt etwas und nicht nur der Umwelt würde es guttun, wenn wir Produkte biologisch und regional einkaufen würden, es würde auch die heimische Wirtschaft stärken. Natürlich arbeitet die Industrie auch immer daran ungiftige und dennoch hochwirksame Mittel herzustellen, aber zu einem Durchbruch ist es noch nicht gekommen.

Qualitative oder quantitative Landwirtschaft?

Also hängt der große Wandel von den Bauern selbst ab. Wie entscheiden sie sich zu wirtschaften, qualitativ oder quantitativ? Es ist keine leichte Entscheidung, denn biologisch anzubauen, die Natur zu berücksichtigen und das Ökosystem aufrechtzuerhalten ist nicht einfach, wenn man auch Profite machen möchte. Und von irgendetwas müssen Bauern schließlich auch leben. Es wäre doch so einfach seine Pflanzen vor Schädlingen und Pilzbefall zu schützen, wenn man einfach nur genügend Pflanzenschutzmittel über sie drüber kippt. Dass dadurch nicht durch die Schädlinge, sondern auch Nutztiere zu Schaden kommen, ist in dem Moment egal. Dass das Gift in den Boden sickert und im Grundwasser bleibt, ist doch nur natürlich. Und dass Menschen wirklich davon betroffen sind, kommt doch so gut wie nie vor. Beschwichtigungsversuche, die heutzutage nicht mehr funktionieren. Viele Bauern passen sich dem Zeitgeist an und steigen auf eine biologische Landwirtschaft um. Doch wie sieht das im Einzelnen aus, wenn man nicht mehr auf die Chemiekeule zurückgreifen darf?

3 Säulen für die Umwelt

„Schonung, Förderung und Freilassung sind die drei Säulen, auf denen der biologische Pflanzenschutz im Garten basiert“, erklärt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Das Wichtigste ist wohl auch das Simpelste: man sollte nur das anbauen, was auch dort heimisch ist. Das heißt, man sollte Boden- und Wetterverhältnisse beachten, um das richtige anzupflanzen. Wenn sich die Pflanzen wohlfühlen, dann sind sie automatisch weniger anfällig für Schädlinge, Pilze oder Bakterien. Zudem sollte man vermehrt auf robuste Sorten umsteigen, die ein Bakterium auch mal überstehen. Für einen gesunden Boden ist es außerdem wichtig, eine Rotationsphase einzubauen, das bedeutet man sollte nicht immer nur eine Pflanze auf dem Boden anbauen, sondern auch andere, resistentere Pflanzen. Diese nehmen die Schädlinge aus dem Boden, zum Beispiel Fadenwürmer, auf und erschweren deren Vermehrung. Hält man sich regelmäßig an diese ausgewählte Fruchtfolge kann die Schädlingsanzahl im Boden um bis zu 90% reduziert werden. Und das ganz ohne Gifte.

Nutztiere helfen auch der Wirtschaft

Herkömmliche Pflanzenschutzmittel töten Tiere und Insekten, doch leider gehen sie dabei nicht selektiv vor, sie töten nicht nur die Schädlinge, sondern auch deren Fressfeinde. Und das ist ein riesiges Problem. Die ganze Welt ist ein System, ein Zyklus und dadurch wird dieser Zyklus gestört. Es werden zwar viele der Schädlinge getötet, doch einige bleiben immer am Leben und diese vermehren sich wieder rasend schnell. Doch diesmal halten sie keine natürlichen Feinde in Schach, denn die meisten sind tot und sie vermehren sich nicht ganz so schnell wie ihre Nahrung. Das heißt, später steht der Bauer vor einem noch größeren Schaden und er muss noch mehr Pestizide einsetzen. Die Wirkung der natürlichen Fressfeinde, die „Nützlinge“, sollte man nicht unterschätzen. Von den vielen verschiedenen Wespenarten fallen nur zwei davon über Menschen her, alle anderen ernähren sich von Blattläusen und Mücken. Ein großer Wespenstaat vertilgt bis zu einem halben Kilo unerwünschter Kleininsekten täglich. Ein weiterer Nimmersatt ist der Marienkäfer, der zwar niedlich aussieht, aber alle kleinen Schädlinge isst, die er finden kann. Aber auch größere Tiere, wie Vögel, halten unerwünschte Besucher, wie Schnecken, von den Feldern fern. Ein einziges Meisenpärchen vertilgt zusammen mit seinem Nachwuchs rund 70.000 Raupen und 20 Millionen Taginsekten im Jahr. Und gegen den übriggebliebenen Rest können Fallen, Zäune und Netze helfen. Schon diese einfachen Hilfsmittel können helfen den Schädlingsbefall drastisch einzudämmen und so die Ernte zu schützen.

Alte Landwirtschaft – moderne Ansätze

Das klingt erst einmal nach einer Landwirtschaft wie vor über 100 Jahren. Und das ist es wahrscheinlich auch, aber damals konnte man sich wenigstens sicher sein, dass die Nahrung nicht vergiftet war. Zum Glück leben wir im 21. Jahrhundert und können uns daher auf die Technologien der Zukunft freuen. So kommen auf vielen Großbetrieben hochmoderne Messgeräte und Drohnen zum Einsatz, die Schädlinge, Krankheiten und Unkräuter quadratzentimetergenau identifiziert können. Falls die Pflanzen Hilfe brauchen, wird der günstigste Zeitpunkt zum Düngen oder Beschneiden genau berechnet. Weiterhin wird natürlich nach Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln gesucht. Die DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) fördert derzeit ein Laser-Projekt zur Schädlingsbekämpfung. Dabei sollen die Strahlen eines Lasers zielgenau und selektiv Problem-Unkräuter erkennen und durch die Lichtbehandlung unschädlich machen, während unproblematische Ackerwildkräuter unbeschadet gelassen werden. Doch die chemischen Pflanzenschutzmittel haben unverkennbare Vorteile, sie sind hocheffektiv, relativ kostengünstig und bei Bedarf kurzfristig einsetzbar. Die Alternativen erfordern oft eine ganzheitliche Herangehensweise, von Bodenbearbeitung und Sortenwahl über biologische Schädlingsbekämpfung. Es kostet mehr Zeit und die Erträge sind oft niedriger. Wir können nur hoffen, dass die Bauern dennoch die Vorteile einer biologischen oder zumindest umweltfreundlichen Landwirtschaft erkennen und umstellen. Und wer weiß, vielleicht zieht die Politik diesmal schneller mit?