Die Smart City – zu früh für Hoffnung?

Die urbane Mobilität als Zusammenhalt, aber nicht als Zusammenarbeit

Freitagnacht. Ich stehe am Straßenrand und frage mich die ganze Zeit: „Wie komme ich jetzt nach Hause?“ Mein Auto steht zuhause. Bus oder Bahn fahren nicht mehr. Ich bin bei keinem Carsharing angemeldet und ein Taxi ist zu teuer. Da sitz ich nun am Bordsteinrand einer der größten und modernsten Städte Europas und schaffe es doch nicht nach Hause zu kommen. Lächerlich, wenn es nicht die traurigen Missverhältnisse städtischer Mobilität aufzeigen würde. Alle reden von der „Smart City“, wo alles grün ist und alles automatisch abläuft, ohne Staus, ohne Umweltbelastung und ohne Verkehrstote. Die urbane Mobilität wird als das Lebenselixier moderner Städte gelobt, als wichtiger Wirtschaftsfaktor und als Vorreiter einer intelligenten, nachhaltigen Entwicklung der Städte. Schöne Worte, auf denen keine Taten folgen. Die finanziellen Förderungen für den öffentlichen Personennahverkehr werden gekürzt, während das Geld für den Straßenbau erhöht wird. Die Städte und Gemeinden stehen in Konkurrenz zueinander, um Einwohner, Investoren und als Wirtschaftsstandort. Da zählt eine gute Straßenanbindung und ein ungehinderten Verkehrsfluss mehr als irgendwelche hochtrabenden Umweltziele der Bundesregierung. Mit einer innovativen und nachhaltigen Stadt hat das nichts zu tun, es läuft wie es immer läuft.
Dabei ist die urbane Mobilität eines der dringlichsten Probleme für Städte auf der ganzen Welt. Schon die jetzt lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten und es werden immer mehr. Durch den wachsenden Wohlstand können sich immer mehr Menschen Autos leisten. Und das hat extreme Auswirkungen, denn über 70% der verkehrsbedingten CO2-Emissionen entstehen durch den Straßenverkehr, ca. 10% des gesamten Straßennetzes gelten als überlastet und obwohl es einen leichten Rückgang bei den Verkehrstoten gab, geht man davon aus das weltweit pro Jahr über 1,3 Millionen Menschen durch den Straßenverkehr sterben. Und trotz modernster Technologien, weltweiten Daten und strengen Regeln gibt es noch keine einheitliche Lösung für ein sicheres und nachhaltiges Verkehrssystem, das für alle Menschen erreichbar und bezahlbar ist. Fahrverbote und horrende Gebühren schaffen keine Erleichterung, innovative Lösungsansätze müssen her.

Verkehr vermeiden, verlagern, verträglicher machen

Das Ziel einer wegweisenden Mobilität sollte sein, Verkehr zu vermeiden, zu verlagern und fließender abzuwickeln. Gleichzeitig sollten der Klimaschutz, die Reduktion der CO2-Emissionen sowie die verkehrsbedingte Lärmbelastung nicht außer Acht gelassen werden. Zugegeben keine leichte Aufgabe und doch gibt hier schon innovative Ideen, die im Einzelnen schon umgesetzt worden sind. Wenn man an Verkehrswege denkt, denkt man vor allem an die Strecke zwischen seinem Zuhause und seinem Arbeitsplatz. Doch diese Wegstrecke macht nur etwa 20% der Verkehrsstrecke aus, über 50% nehmen die Aktivitäten „Einkaufen und Freizeit“ ein. Könnte man nun diese Strecken verkürzen, würden vielerorts die Autos stehen gelassen werden und die Menschen würden zu Fuß gehen oder das Rad benutzen. An diesem Beispiel wird ganz deutlich, wie wichtig es ist, die Verkehrsplanung mit der Stadtplanung zusammen zu legen. Nur Hand in Hand kann die Mobilität sinnvoll in die Stadt integriert werden. Jeder Bezirk oder Stadtteil sollte wie eine eigene kleine Stadt behandelt werden, so werden Wege erheblich kürzer und die Sinnhaftigkeit eine Strecke mit dem eigenen Auto zu fahren wird drastisch reduziert. Auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln sollte die Zusammenarbeit mit der Stadtplanung großgeschrieben werden. Städte wachsen, die Randbezirke werden größer, neue Baugebiete werden erschlossen und doch werden die Bus- oder Bahnlinien nicht verlängert und wenn, dann erst Jahre später. Der Weg von der Haustür zu der nächstliegenden Bus- oder Bahnstation kann für einen Fußweg schon zu lang sein und mit seinem eigenen Fahrrad dahin zu fahren und es dort abzustellen, ist fast eine Garantie dafür, dass es geklaut wird. Um von Stadtrand in die Innenstadt oder um von einer Seite der Stadt zur anderen zu gelangen, muss man, wenn man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, oft Umwege, längere Strecken und Umsteigen in Kauf nehmen. Kein Wunder also, warum man sich eher für das Auto entscheidet. Eine höhere Dichte und ein abwechselndes System von Bussen, Bahnen und Straßenbahnen würde es vielen Menschen erleichtern, ihre stetigen Wege bequem zu bewältigen ohne dafür nur einmal ins Auto steigen zu müssen.

Der Stress der Parkplatzsuche hört nie auf

Menschen, die in einem Randbezirk leben, arbeiten meistens in der Innenstadt und können nur ihr Auto nehmen, um es rechtzeitig zur Arbeit zu schaffen. Und hier entsteht schon das nächste Problem. Die Innenstadt ist eng bebaut, es gibt kaum freie Flächen und doch wird sie jeden Morgen von den zahlreichen Arbeitern und Arbeiterinnen überflutet. Und wohin mit den ganzen Autos? Das was keiner, deshalb werden im Durchschnitt 40 Stunden im Jahr von Deutschen damit verschwendet einen Parkplatz zu finden. Und wenn man einen findet, dann sind die Gebühren so hoch, dass man doch lieber noch einmal eine Runde um den Block dreht, um einen kostenlosen zu finden. Natürlich gibt es dafür Lösungen, wie Apps, die dir genau anzeigen, wo ein freier Parkplatz zu finden ist. Ob das so immer so stimmt ist fraglich, aber zumindest können die günstigsten Parkplätze lokalisiert werden. Vorreiter bei der Parkplatzsuche ist wohl die Firma „Smart City System“, die einen im Boden eingelassenen Sensor entwickelt haben, der erkennt, ob ein Parkplatz frei oder belegt ist. Aber noch ist diese Technologie nicht weit verbreitet, da sie teuer und noch nicht voll ausgereift ist. Im Moment dient es eher dazu großen Parkplatzbetreibern die Suche nach Überziehungsgebühren zu vereinfachen.

Alle Wege führen nach… Skandinavien

Da denkt man immer die Niederlande sei der Himmel für alle Radfahrer, doch in Wahrheit ist es Kopenhagen. Ein Drittel aller Einwohner fährt mit dem Rad zur Arbeit und das können sie auch, denn die Radwege sind klar gekennzeichnet, mit Bordsteinkanten von Fuß- und Autowegen abgetrennt und Fahrradfahrer werden bei Ampeln und Kreuzungen bevorzugt behandelt. Ein echter Anreiz also, um sich selber mal aufs Fahrrad zu schwingen. Und wer nicht so der Sportler ist, der reist einfach weiter nach Helsinki. Das ist ganz einfach, denn dort haben sie die App „whim“, bei der man für eine monatliche Flatrate öffentliche Verkehrsmittel, Taxis, sowie Car- und Bike-Sharing unlimitiert nutzen kann. Das heißt, sie können sich vor ihrer Haustür ein Fahrrad ausleihen, damit bis zur nächsten Straßenbahnlinie fahren, dort umsteigen, weiterfahren und wenn sie ihr Ziel immer noch nicht erreicht haben, können sie ein Auto mieten. Und das alles für eine einmalige monatliche Grundgebühr. So etwas nennt sich „Mobility as a service“ und steckt leider bei den meisten Städten noch in seinen Kinderschuhen. Zwar versuchen einige Unternehmen mehrere Fortbewegungsmittel miteinander zu verbinden, wie Bike- und Car-Sharing oder das man mit einer Fahrkarte alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzen kann, aber ein einheitliches System gibt es noch nicht.

Eine einheitliche Lösung liegt in ferner Zukunft

Und hier liegt der Hund begraben: die Lösung für eine innovative und nachhaltige, urbane Mobilität ist eine Einheitlichkeit. Stadt- und Verkehrsplanung, sowie staatliche und private Unternehmen müssen zusammenarbeiten. Es muss Rücksicht auf alle Verkehrsteilnehmer genommen werden. Fuß- und Radwege sollten ausgebaut und sicher sein. Das öffentliche Verkehrsnetz muss modernisiert und ausgebaut werden. Elektrische Autos sollten mehr gefördert werden und besonders in der Innenstadt würden leistbare und schnell zu findende Parkplätze den Verkehrsstau enorm entlasten. Doch wie immer sind solche Ziele zeitaufwendig und vor allen Dingen teuer. 2050 werden die meisten Städte grüne Oasen sein, mit autonomen Autos und klaren Mobilitätslösungen. Aber wie wird sich die Mobilität in zwei Jahren verändert haben?